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IMPULS ZUM SONNTAG


Etwas Gutes lesen, das tröstet und ermutigt:
Jeden Sonn- und Feiertag ein von den Seelsorgenden der Friedensgemeinde geschriebener Impuls, bei besonderen Anlässen auch verbunden mit einem Hausgottesdienst.

IMPULS ZUM 3. SONNTAG NACH EPIPHANIAS


von Pfarrerin Rebekka Neubert
 

Ist das nicht Noomi?
Noomi, die vor vielen Jahren Betlehem verlassen hat, um in der Fremde zu leben?
Ein besseres Leben hatte sie sich erhofft. Für sich und ihre Familie.
Warum kommt sie zurück?

Sie ist alt geworden.
Ihre Schritte sind langsam. Bedächtig setzt sie einen Fuß vor den anderen.
An ihrer Seite läuft eine junge Frau.
Sie ist eine Fremde, das sieht man gleich. Sie ist nicht gekleidet, wie die Leute in Israel.
Sie sind allein unterwegs. Warum begleiten sie nicht ihre Männer?
Sind sie etwa tot?
Wie schrecklich...
Wer wird sich um die beiden kümmern?

Die Fragen stehen den Menschen auf den Gerstefeldern vor Betlehem ins Gesicht geschrieben.
Mit offenen Mündern stehen sie da und starren die beiden Frauen an.
Sie tuscheln und zeigen dabei auf die junge Frau.
Hübsch ist sie, die wird unseren Männern den Kopf verdrehen….
Ob die fleissig arbeiten kann?

Noomi hakt sich bei Ruth unter und richtet sich auf. Den nächsten Schritt macht sie mit erhobenem Kopf und durchgedrücktem Rücken.  Sie flüstert zu Ruth, so heißt die junge Frau neben ihr: Hab keine Angst, sie fürchten sich vor allem, was neu ist. Deshalb haben sie es auch nicht gewagt, ihr Land zu verlassen, als es nichts mehr zu essen gab. Sie sind Sturköpfe und Angsthasen. Wenn sich herumgesprochen hat, wer wir sind und dass wir hier ein Zuhause haben, legt sich ihre Neugier. Wir lassen sie in Ruhe und sie lassen uns in Ruhe. Ignorieren wir sie einfach!
Ruth nickt.

Aber Ruth kann ihre Blicke spüren. Den Zeigefinder auf ihrer Gestalt.
Das Lachen hinter vorgehaltener Hand dringt an ihr Ohr.
Sie weiß, Noomi will ihr Mut machen. Will ihr sagen, dass sie beide nun zusammengehören, dass sie bei ihr ein Zuhause gefunden hat. Noomi hat sich bei ihr eingehakt, aber ihr Arm drückt Ruth viel fester an sich, als wolle sie Ruth stützen, anstatt Hilfe bei ihr zu suchen.

Von Anfang an, als Noomi mit ihren Söhnen und ihrem Mann in Moab ankam, hatte Ruth sie in ihr Herz geschlossen. Diese kleine, strebsame, liebenswerte Frau mit dem ansteckenden Lachen. Sie weiß gar nicht mehr, wer ihr zuerst ins Auge gefallen war, Machlon, der Sohn oder Noomi, die später ihre Schweigermutter wurde. Mit der Heirat hat sich für sie die Welt verändert. Sie bekam zu ihrem Mann noch eine Freundin dazu. Eine, wie sie bisher keine hatte. Ihre eigene Mutter war in so vielen Dingen ganz anders als Noomi. Noomi wurde ihr mehr zur Mutter als ihre Mutter es je war. Es war seltsam, sich das einzugestehen, aber es war wahr. Als Noomi sie zum ersten Mal in ihre Pläne einweihte, nach Betlehem zurückzukehren, spürte Ruth große Vorfreude. Endlich würde sie sehen, wovon Noomi all die Jahre erzählt hatte: die kleinen Steinhäuser und auf den Feldern davor, die gelben Wogen, wenn der Wind über die Ähren fuhr, die uralten Olivenbäume, unter denen die Schatten tanzten...

Wie enttäuscht war sie, als Noomi sagte, sie wolle allein zurück und Ruth solle in ihr Elternhaus zurückkehren.
Wie hätte sie Noomi alleine gehen lassen können? Es kam Ruth verrückt vor. Wie sollte diese die Reise überleben, ohne Hilfe? Wie wollte Noomi in Betlehem für ihren Unterhalt sorgen? Wollte sie betteln gehen? Hoffte sie auf Unterstützung durch ferne Verwandte?
Ruth bestand darauf, sie wollte mitgehen.

Die Geschichten aus Israel kannte Ruth mittlerweile auswendig, die Lieder, die Noomi sang, wohnten längst in ihrem Herzen, die Sprache, die Noomi sprach, verstand sie, wenn ihr auch das Reden noch nicht so leicht fiel....
Ruth war eine offene Frau. Eine, die gab, was sie zu geben hatte. Sie war eine treue Freundin, sie würde bei Noomi bleiben und das Schöne wie das Schwierige teilen.
Dafür war sie bereit, ihre eigene Familie und ihr bisheriges Umfeld zurückzulassen.
Ruth fühlte sich Noomis Volk und ihrem Gott zutiefst verbunden. Im Herzen war sie schon längst in Betlehem. Sie vertraute Gott, er hatte sie in Moab gefunden und ihre Schritte begleitet, er würde auch diesen Neuanfang segnen. Da war sich Ruth sicher.

In jedem Leben gibt es eine Vielfalt an Möglichkeiten, eine Vielfalt an Wegen. Aber wir Menschen können nicht alle Möglichkeiten ergreifen, nicht alle Wege gehen. Oft finden wir Kompromisse, um mehrere Möglichkeiten zu verbinden wie z.B. Homeoffice-Ecke und Schlafzimmer, Gemüsegarten und Spielwiese, Pflege der Eltern und Beruf...
Manchmal stehen wir aber auch vor einer Entscheidung, in der es keinen Kompromiss gibt.
Wir müssen wählen, in welche Richtung wir weitergehen, nach rechts oder nach links.

Bleiben wir im Vertrauten oder brechen wir in eine neue, fremde Welt auf?
Sind wir bereit für etwas Neues? Können wir loslassen? Oder verzichten?
Was oder wer ist uns so wichtig, dass wir auf jeden Fall daran festhalten möchten?
Wo ist unsere Solidarität, unsere Treue gefordert?
Was soll in unserem Leben im Mittelpunkt stehen?

Wenn wir wie Ruth eine Entscheidung treffen, vielleicht einen unbekannten Weg betreten, der zunächst unvernünftig erscheint, dann wird sich erst im Gehen herausstellen, ob es die richtige Entscheidung war.
Ruth ist sich sicher: Egal, welche Wege wir in unserem Leben gehen, Gott begleitet uns, auf den vernünftigen wie auf den unvernünftigen Wegen, und Gott kann aus allem -selbst aus Umwegen- etwas Gutes machen.

Ich wünsche uns, dass wir wie Ruth an den Menschen und Dingen festhalten können, die uns das Liebste sind, dass wir offen bleiben für die Menschen um uns und für Gottes neue Wege. Vielleicht können wir dann wie Noomi im Rückblick auf eine bestimmte Lebensphase oder im Rückblick auf unser ganzes Leben sagen: „Gott ist gut zu uns! Ich sehe, er will uns helfen*“

(*Text Kees de Kort, Bild Landschaft in Südisrael, privat).

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