Wir aktualisieren momentan unser Webseiten Design um die Erfahrung auf unserer Website zu verbessern.

IMPULS ZUM SONNTAG

Worte, die einladen, ermutigen, trösten und begleiten.
Zu jedem  Sonn- und Feiertag schreiben die Seelsorgenden der Friedensgemeinde einen Impuls.
Er kann für sich gelesen oder in die persönliche Feier des Hausgottesdienstes einbezogen werden.

IMPULS ZUM 2. SONNTAG NACH TRINITATIS

Im Krankenhaus schaut man viel nach oben

von Pfarrerin Rebekka Neubert


Jesus spricht:
Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid;
ich will euch erquicken.

Mt 11, 28.


 

„Herr Pfarrer“, so eröffnet der Patient das Gespräch,
„wenn man so im Krankenhaus liegt, dann schaut man gezwungenermaßen viel nach oben...“

Der Seelsorger fragt, ob er sich einen Stuhl ans Bett stellen darf.
Die beiden kennen sich schon viele Jahre.
Der Mann im Krankenbett ist Mitte 60 und spielt im Posaunenchor. Er nickt.

„Wissen Sie, ich denke viel nach“, sagt der Mann.
„Seit die PSA-Werte gestiegen sind und ich mit der Diagnose Prostatakrebs
von einem zum anderen Arzt lief, kam ich gar nicht dazu.
Aber jetzt, nachdem die Operation vorbei ist, merke ich, wie gehetzt und rastlos ich war.
Ich hab die Totaloperation einfach durchgezogen.
Raus mit dem Krebs. Muss sich der Tod schon eine andere Ursache suchen, wenn er mich holen will.
So bin ich halt.

Aber jetzt merke ich, dass ich bei dem Tempo meinen Glauben zurückgelassen habe.
Ich habe lange nicht mit Gott geredet. Wollte nicht. Hab Abstand gebraucht.
Leben ist Kampf, wissen Sie? Ich will ihn überstehen. Überleben.

Aber jetzt habe ich Fragen. Warum? Was soll das alles?
Haben wir nicht schon genug durchgemacht in der Familie?

Mit dem allgemeinen Gefasel:
Ich kann Gott doch dankbar sein, dass man den Krebs rechtzeitig gefunden hat. Blabla ...
Das bringt mich nicht weiter.
Ich denke, das sagen nur Gesunde. Wenn es dir gut geht, dann ist Glauben keine Kunst!
Wenn es dir schlecht geht, dann muss sich dein Glaube bewähren ...
Glauben ist auch ein Kampf. Ein Ringen mit Gott.“

Der Mann seufzt und sucht den Blickkontakt mit dem Pfarrer.
„Ich bin noch nicht wieder ganz bei ihm.“

„Er ist aber ganz bei Ihnen,“ antwortet der Pfarrer
und ein leichtes Lächeln huscht über sein Gesicht.

„Vielleichthaben Sie Recht,“ antwortet der Mann.
„Wenn ich eines Tages vor Gott stehe, werde ich ihn fragen, was er sich dabei gedacht hat.
Kann sein, ich brauche dann gar keine Antwort mehr ...“