Impuls zum Sonntag

"Mit Hoffnung leben: Warten können" - Pfarrer Hans Gölz-Eisinger

Als Kind wollte ich immer Mesner werden, Kirchendiener. Denn dann hätte ich einen Kirchenschlüssel und könnte immer in die große Kirche gehen, in diesen  faszinierenden Raum, der so anders ist als das Zuhause, die Schule oder die Sporthalle. Ich mochte meine Kirche. Später habe ich mein Ziel auf anderem Weg erreicht: Ich begann einfach Orgel zu spielen. Da hatte ich dann meinen Kirchenschlüssel und konnte auch dann in das Gotteshaus hinein, wenn niemand anderes dort war. Eigentlich gefiel mir der großartige Raum beim Orgelüben sogar besser als bei den Gottesdiensten. Er wurde mir vertraut und bis heute verbinde ich mit Kirchen besondere Erinnerungen. Es zieht mir immer in kleine Kapellen oder Kathedralen, egal wo ich auch bin.

 

Deswegen ist mir der Psalm dieser Woche auch so sympathisch:

 

Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und erhöre mich. …

Eins bitte ich vom Herrn, das hätte ich gerne:

Dass ich im Haus des Herrn bleiben könne mein Leben lang,

zu schauen die schönen Gottesdienste des Herrn. (Psalm 27, 7.4)

 

Es ist ein Glück, wenn auch Kirchen zur Heimat werden. es ist ein Glück, wenn ich

Abstand nehmen darf zu meinem üblichen Alltag mit seinen Herausforderungen und

Aufgaben; es ist ein Glück, wenn ich gute Bilder und Worte finde, weil ich vor Gott zur Ruhe kommen kann. Wer eine Kirche betritt, soll nicht den Alltagsstress vergrößern, sondern ihn anders, neu, weniger belastend anschauen können.

 

 

Kirchen sind schützende Räume und Kraftquellen für die Seele. Hier sind auch eigene Erinnerungen:

 

Hier ist der besondere Ort, der nicht mein Alltag ist, geprägt von Gottes Wort und von Klängen die nicht alltäglich sind.

 

Hier erlebten wir Feste wie Weihnachten oder Ostern und begegneten uns in der Vesperkirche.

 

Hier feierten wir große Feste und erlebten große Musik.

 

Hier begegneten wir den Menschen, mit denen wir auch gern unsere Freizeit teilen – und Lebensfreude erleben.

 

Hier ist eine Kraftquelle für die Seele.

 

 

Diesen Ort vermisse ich. Lange genug war er geschlossen oder nur unter der Woche zum stillen Gebet und zur Erholung geöffnet. Nun dürfen wir den Raum wieder etwas füllen. Wie im Psalm: Zu schauen schöne Gottesdienste des Herrn und sein Haus zu betrachten.

 

An Pfingsten geht es langsam und mit der gebotenen Vorsicht wieder los. Gott sei Dank.

 

Als Kind wollte ich immer Mesner werden. Und wartete drauf, dass ich groß genug dafür werde. Dann lernte ich Orgelspielen – und hatte einen Schlüssel. Das Warten hat sich gelohnt. Denn in mir hatte ich diese Bilder vom „schönen Haus Gottes“. Warten lohnt sich. 

Sie finden die Impulse immer ab Samstagmittag hier auf unserer Homepage.

Archiv

Impuls von Pfarrerin Martina Walter_Aus lauter Gottesgüt_3.5.20 (PDF)

Impuls von Pfarrerin Heike Reisner-Baral_Es lohnt sich_26.4.20 (PDF)