Impuls zum Sonntag

„Zuhause bei Gott“- Impuls zum Ewigkeitssonntag von Pfarrerin Martina Walter und Pfarrer Hans Gölz-Eisinger

Johannes 14,1-5:

1 Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich! 2 In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn's nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten?

3 Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, auf dass auch ihr seid, wo ich bin. 4 Und wo ich hingehe, dahin wisst ihr den Weg.

5 Spricht zu ihm Thomas: Herr, wir wissen nicht, wo du hingehst; wie können wir den Weg wissen? 6 Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.

 

Predigt im Dialog:

I  Hans Gölz-Eisinger:

Liebe Gemeinde,

„Fürchtet euch nicht“, sagte Jesus zu seinen Jüngern. Da saßen sie alle um ihn herum und hörten, wie er von seinem Tod sprach. „Habt keine Angst.“

Diese Worte kommen mir bekannt vor:

Fürchte dich nicht, sprach schon der Engel, als er Maria die Geburt Jesu ankündigte.

Fürchtet euch nicht, sprach der Engel zu den Hirten auf dem Feld in der Nacht, als Jesus geboren wurde.

Jetzt spricht Jesus die Worte selbst: Euer Herz erschrecke nicht. Auch nicht vor dem Tod.

 

Denn: Im Haus meines himmlischen Vaters gibt es viele Wohnungen. Und nun werde ich gehen und diesen Ort für euch vorbereiten. Fürchtet euch nicht.

 

Ich weiß nicht, was mich mehr mit Hoffnung erfüllt:

Die schlichte Tatsache, dass Jesus sich vor seinem Sterben mit den vertraut gewordenen Schülern und Freunden zusammensetzt; dass er alle Menschen, die sonst so viel von ihm wollten, wegschickte, um Zeit für seine Jünger zu haben; um sie vorzubereiten auf die Trennung und den Schmerz. Denn der Tod ist für die Lebenden schwer zu ertragen.

Oder ist es das Trostbild, das Jesus allen Menschen als Versprechen gegen den Tod gibt: Du hast eine Heimat im Himmel. Da ist eine Wohnung. Deine Wohnung. Für dich. Dein Name steht an der Tür und nie wieder musst du sie zurücklassen. Denn Häuser baut man da, wo man sesshaft werden will; man baut sie da, wo man bleiben und nicht gehen möchte. Häuser sollen friedliche Orte sein, aus denen man nie vertrieben wird.

Fürchte dich nicht: Der Himmel ist ein Heimat, die ewig für dich bereit steht.

 

II  Martina Walter

Und zu einer Heimat gehören Menschen. Menschen, die wir lieben. Die uns etwas bedeuten. Mit denen wir gerne zusammen sind. Bei denen wir uns geborgen fühlen. Die unser Leben begleiten und prägen.

 

Deshalb fällt es uns ja so schwer, sie loszulassen. Sie gehen zu lassen. Alleine zurückzubleiben. Deshalb kommt einem die Wohnung plötzlich so leer vor. Weil ihr das Herz fehlt. So viele gemeinsame Jahre in dieser vertrauten Umgebung - und dann kommst du heim und niemand ist da. Was es vorher so lebendig gemacht hat, das fehlt schmerzlich: Miteinander reden, gemeinsam lachen, zusammen planen, ja, sogar die kleinen Streitereien hin und wieder - du vermisst sie. Sehnst dich zurück nach dieser Gemeinschaft, nach Nähe, nach Verbundenheit.

 

Jesus kennt diese Sehnsucht. Eng verbunden war er mit seinen Freunden. Der Abschied von ihnen fällt ihm schwer. Er spürt ihre tiefe Trauer. Und er weicht ihr nicht aus. Er spricht mit ihnen, spricht über das Sterben, den Tod, das Gefühl der Verlassenheit, ihre Unsicherheit und ihre Ängste. Keine einfachen Gespräche sind das, aber heilsam sind sie und tröstlich.

 

Denn das, was Jesus sagt, das gibt Hoffnung. Das eröffnet Zukunft. Eine Zukunft mit himmlischer Perspektive: „Dieser Abschied ist nicht für immer. Wir werden uns wiedersehen. Wir werden wieder zusammen sein. Nichts kann uns dann mehr trennen.“

 

Diese himmlische Perspektive, die tröstet. Die Menschen, die wir geliebt haben - sie sind schon bei Jesus. Sind schon daheim bei ihm. Reden und lachen und sitzen zusammen am Tisch. In Liebe verbunden. Eines Tages werden wir dazustoßen. Dann steht auch unser Name an der Tür. Dann sind wir angekommen und werden für immer bleiben.

 

III  Hans Gölz-Eisinger

Ach, wie schön wäre es, wenn wir dieses Ziel im Himmel hätten: Eine Wohnung im Haus Gottes; und in diesem Haus alle, die wir lieben und in unserer Nähe haben wollen.

Wie schön wäre es, ganz sicher zu sein: Es gibt diesen friedlichen Ort. Schließlich sind schon etliche derjenigen Menschen gestorben, die ich liebte oder denen ich in echter Freundschaft verbunden war – und es auch noch bin in meiner Erinnerung. Wie gut wäre es, wenn wir all diese geschätzten und geliebten Menschen in diesem Schutz und Frieden wissen können.

Denn ich kann nicht ruhig sein und in Frieden loslassen, wenn ich das Leben des Geliebten nicht jemandem ans Herz legen, ihm anvertrauen kann. Das wusste Jesus – und er warb dafür, ihm zu vertrauen: „Euer Herz erschrecke nicht … glaubt an Gott und glaubt weiter an mich.“ Es ist Vertrauenssache, nicht mehr und nicht weniger. Glauben wir Jesus seinen Weg in den Himmel, von dem auch wir wissen können? Und worauf gründet sich dieser Glaube, diese Hoffnung?

Wie so oft im Leben, bestehen wir unsere Herausforderungen nur dann, wenn wir anderen vertrauen. Allein schaffen wir Vieles nicht. Und genau dann, wenn wir es allein nicht schaffen, genau dann sehen wir, dass es gute Freunde gibt; dass die Familie zusammenhält; dass wir Grund haben, mit Hoffnung zu leben. Denn der Glaube an eine Vertrauensperson hilft, das Leben zu bewältigen. Und all das Unbekannte, das kommt, auch. Wir sind nicht allein, wenn wir unseren Lebensweg suchen, unseren Lebensweg hier – und in Ewigkeit.

 

IV  Martina Walter

Ja, viele sind mit uns auf dem Weg. Suchen und fragen wie wir, hoffen und glauben wie wir. Hören von den Hoffnungsbildern, die Jesus seinen Freunden immer wieder vor Augen gemalt hat: Im Himmel, da sitzen alle an einem Tisch. Da kommt keiner mehr zu kurz, da wird niemand benachteiligt. Da haben alle, was sie brauchen. Da wird fröhlich gegessen und getrunken, da wird selbstverständlich geteilt. Da ist die Welt in Ordnung - dafür sorgt Gott höchstpersönlich.

 

Einen Vorgeschmack davon haben die Freunde von Jesus immer wieder bekommen. Wie oft hat sich Jesus an den Tisch gesetzt mit anderen. Mit ganz unterschiedlichen Menschen. Hat Gemeinschaft gepflegt, Gespräche über Gott und die Welt geführt, zum Nachdenken angeregt, Glauben geweckt, Leben verändert. Wie oft war er unterwegs in den Städten und Dörfern, hat Schmerz gelindert und Tränen getrocknet, hat von Krankheiten geheilt und von Schuld befreit, ja, hat Tote zum Leben erweckt.

 

Ein Vorgeschmack, ein Sichtfenster in den Himmel: „Der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein. Siehe, ich mache alles neu !“

 

Solche Sichtfenster gibt es auch für uns. Manchmal passiert es, da verwandelt sich Trauer in Freude, da lächelt eine unter Tränen, da macht einer seinen Frieden mit dem, was war. Da ahnen wir: Das, was wir hier haben und erleben, das ist nicht alles. Da kommt noch was. Etwas Neues, Wunderbares. Darauf gehen wir zu.

 

Auf dem Weg dorthin stärkt uns Jesus. Und dort am Ziel, dort erwartet er uns. Zusammen mit all den anderen, denen wir in Liebe verbunden waren und sind.

 

Also vertraue und geh weiter. Deiner himmlischen Heimat entgegen. Geh und fürchte dich nicht. Amen.

Sie finden die Impulse immer ab Samstagmittag hier auf unserer Homepage.

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Impuls von Pfarrerin Martina Walter_Aus lauter Gottesgüt_3.5.20 (pdf)