Impuls zum Sonntag

Siehe, ich bin bei euch alle Tage!

Liebe Gemeinde,

 

In diesen Tagen ist Vieles nicht mehr möglich. Wir erleben es. Tag für Tag gibt es neue Nachrichten und meist bedeuten sie eine weitere Einschränkung.

 

Das Schwierigste für mich dabei ist: wir sollen nicht mehr  zusammenkommen.

Das fällt mir schwer. Ich bin gerne unter Leuten. Ich unterhalte mich gerne mit anderen Menschen. Ich brauche das.

Und außerdem ist Gemeinschaft unter Christen von Anfang an wichtig gewesen: das Teilen und Anteilnehmen, der verbindende Glaube und das Beten. Das Singen. Das Abendmahl. So viel ist auf Begegnung angelegt. Und das geht jetzt nicht mehr.

 

Früher gab es die Redewendung „Jetzt ist Matthäi am letzten.“ Und damit meinte man:

Jetzt ist es so schwierig, dass einem vielleicht keiner mehr wirklich helfen kann. Diese Worte „Matthäi am letzten“ gibt es tatsächlich. Es ist der letzte Satz des Matthäusevangeliums im Neuen Testament. Da steht:

 

[Christus spricht:] „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

 

Dieses Versprechen trägt Christen seit bald 2000 Jahren:

Christus bleibt im Leben der Menschen dabei. In guten und schweren Zeiten. In Freud und Leid. Immer. Ewig.

 

Wer unsere schöne Stadtkirche betritt, kann das auch mit den Augen sehen.

Der Künstler Ulrich Henn hat bei der Gestaltung des großen Bronze-Altarkreuzes

bewusst die Gemeinde im Blick gehabt.

Am Kreuz sehen wir den auferstandenen Christus. Unter ihm – als Bild für die

Gemeinde – die Jünger. Segnend breitet er die Hände über den Jüngern aus.

Er hält sie zusammen. Er beschützt ihre Gemeinschaft. Er gibt Kraft für die Lebenswege, die sie gehen werden.

 

Eine Besonderheit fällt erst auf den zweiten Blick auf: Es sind nur elf Jünger

dargestellt, der zwölfte fehlt. Warum? Der Künstler wollte damit eine Botschaft

in Bronze gießen: Der zwölfte Jünger ist jeweils die Betrachterin, der Betrachter.

Das erste und vielleicht auch das letzte, was Kirchenbesucher*innen sehen, ist dies:

„Ich gehöre zur Jüngerschaft, zur Gemeinde. Hier ist Platz für mich.“

„Ich bin gesegnet von Christus. Er begleitet mich auch im Alltag.“

„Meine Kraft beziehe ich aus beiden: Aus dem Segen Gottes; aus der Gemeinschaft der Gemeinde.“

 

Ich wünsche Ihnen in diesen Tagen, dass Sie Zeichen der Nähe erfahren: Wenn Sie

unseren „Hausgottesdienst“ lesen, beten, singen – und wissen, dass das gleichzeitig

mit ihnen viele andere auch tun; wenn Sie Anrufe bekommen oder andere anrufen;

wenn Sie sich einen Moment lang an den segnenden Christus erinnern, der

versprach: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage“.

 

Wir bleiben verbunden.

Herzlich,

Ihr Hans Gölz-Eisinger, Pfarrer

Den Impuls zum Sonntag am 29.3.20 schreibt Lehrvikarin Julia Riekert. Sie finden die neuen Impulse immer samstagmittags auf dieser Seite.