Hausgottesdienst am Ewigkeitssonntag

Vielleicht können Sie am Ewigkeitssonntag in keine Kirche gehen.

Hier ist ein Hausgottesdienst aus dem Michaeliskloster in Hildesheim, erarbeitet von Birgit Mattausch und Marianne Gorka.

Auf die Glocken vor Ort hören

Eine Kerze entzünden

Einstimmung

Im Frieden unseres Gottes. Amen. 

 

Es ist Ewigkeitssonntag.

In der Gemeinde denken wir an die Verstorbenen dieses Jahres.

Wir nennen ihre Namen.

In meinem Kopf und Herzen sind auch die Namen derer, die mir schon vor Zeiten verloren gegangen sind und die mir fehlen.

 

Von wem hast du womöglich Abschied nehmen müssen in diesem Jahr?

Vielleicht konntest du nicht einmal dabei sein. Vielleicht wart ihr nur wenige beim letzten Geleit.

 

An wen denkst du gerade?

Rufe dir die Namen ins Gedächtnis oder sage sie laut.

Lege sie Gott ans Herz.

 

Ich denke an NN und daran, dass ich sie/ihn gern hatte. Ich behalte diese Zuneigung in meinem Herzen.

Ich denke an NN und daran, dass sie/er mich gern hatte und mir Gutes tat. Ich sage ihr/ihm Danke.

Ich denke an NN und an das, was ich ihr/ihm schuldig geblieben sind. Ich bitte sie/ihn um Vergebung.

Ich denke an NN und an das, was sie/er mir schuldig geblieben ist. Ich vergebe ihr/ihm.

Ich denke an NN und schicke ihr/ihm meine guten Wünsche.

 

Gott, der HERR, der Mächtige, redet und ruft der Welt zu

vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang.

Aus Zion bricht an der schöne Glanz Gottes.

Unser Gott kommt und schweiget nicht. (Ps 50,1-3a)

 

In diesem Sinn sind wir versammelt. Um uns zu stärken, an dem, was Gott uns zu sagen hat. Um uns zu wärmen in seinem Glanz und seinem hellen Schein. Um uns zu trösten an seiner Treue vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang.

Wir sind zusammen. An unterschiedlichen Orten. Zur gleichen Zeit. Einander in Gedanken und Gebet verbunden.

 

Wir feiern in Gottes Namen. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Sein Friede sei mit uns allen. Amen

Bibeltext des Tages: Offenbarung 21,1-7 (Übersetzung: Basisbibel)

(lesen oder eine*r in der Hausgemeinschaft liest vor)

 

Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde.

Denn der erste Himmel und die erste Erde sind verschwunden. Und das Meer ist nicht mehr da.

 

Und ich sah die heilige Stadt: das neue Jerusalem. Sie kam von Gott aus dem Himmel herab – für die Hochzeit bereit wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat.

 

Dann hörte ich eine laute Stimme vom Thron her rufen:

»Sieh doch: Gottes Wohnung bei den Menschen! Er wird bei ihnen wohnen und sie werden seine Völker sein. Gott selbst wird als ihr Gott bei ihnen sein.

Und er wird jede Träne abwischen von ihren Augen. Es wird keinen Tod und keine Trauer mehr geben, kein Klagegeschrei und keinen Schmerz. Denn was früher war, ist vergangen.«

 

Der auf dem Thron saß, sagte:

»Sieh doch: Ich mache alles neu!«

Und er fuhr fort:

»Schreib alles auf, denn diese Worte sind zuverlässig und wahr.«

Dann sagte er zu mir:

»Es ist geschehen. Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende.

Wer Durst hat, dem gebe ich umsonst zu trinken. Ich gebe ihm von der Quelle, aus der das Wasser des Lebens fließt.

 

Wer den Sieg erringt, wird das alles als Erbe erhalten. Ich werde sein Gott sein und er wird mein Kind sein.«

Lied (gesungen oder angehört oder vorgelesen): Der Himmel, der ist, ist nicht der Himmel, der kommt

(Evangelisches Gesangbuch 153, 1-5)

 

Der Himmel, der ist, ist nicht der Himmel, der kommt, wenn einst Himmel und Erde vergehen.

Der Himmel, der kommt, das ist der kommende Herr, wenn die Herren der Erde gegangen.

Der Himmel, der kommt, das ist die Welt ohne Leid, wo Gewalttat und Elend besiegt sind.

Der Himmel, der kommt, das ist die fröhliche Stadt und der Gott mit dem Antlitz des Menschen.

Der Himmel, der kommt, grüßt schon die Erde, die ist, wenn die Liebe das Leben verändert.

 

Text: Kurt Marti (1971)

 

Melodie: Winfried Heurich (1980)

Verkündigungsimpuls

Alles neu macht der Herbst.

Rückt den Himmel näher.

Lässt die Krähen kreisen.

Legt den Frost über die letzten Spinnweben, über die trockenen Gräser, das Schlehengestrüpp.

Erst, wenn die blauen Schlehen einmal gefroren waren, kann man sie essen. Sagte meine Großmutter.

Der Herbst rüttelt an den Bäumen und sie lassen ihre Blätter los. Die fallen zu Boden, werden Morast.

 

Alles neu macht der Herbst.

Nimmt und gibt.

Wo die Blätter am Baum waren, ist für eine lange Weile nichts.

Wo wir an warmen Tagen draußen saßen: jetzt nur letztes Laub auf der Bank und der Geruch nach nasser Erde.

Und in uns angesammelt dieses Jahr. Sein Glück. Sein Schmerz.

In uns und um uns Erinnerungen. Das erste Mal dies. Das letzte Mal das. Es kommt nicht zurück.

 

Alles neu macht der Herbst.

Macht uns nackter und ausgesetzter – obwohl wir doch Mäntel haben, Wollpullover, Schals und Stiefel.

Alles neu macht der Tod.

Auch für die, die leben.

 

Und ich gehe auf das Neue zu.

Ob ich will oder nicht.

Kalte Luft um mich. Nebel. Regen. Und manchmal plötzliches Blau. Eichelhäher. Andere Gedanken. Anderer Klang.

 

Und der auf dem Thron sitzt, sagt:

»Sieh doch: Ich mache alles neu!«

Sagt:

»Gott wird jede Träne abwischen von deinen Augen. Es wird keinen Tod und keine Trauer mehr geben, kein Klagegeschrei und keinen Schmerz. Denn was früher war, ist vergangen.«

 

Alles neu macht Jesus.

Rückt den Himmel näher.

Lässt die Seelen und die Träume fliegen wie Vögel.

Ist durchs Dunkel gegangen. Durchs Sterben und Schlehengestrüpp. Durch Nebel und Tod.

Deshalb kennt er uns. Weiß es. Weiß alles. Auch, das, was wir niemandem sagen.

Weiß es und bleibt.

Jesus rüttelt an den Gräbern.

Ruft uns und siehe da: wir leben.

In uns angesammelt dieses Jahr. Sein Glück. Sein Schmerz.

In uns und um uns Erinnerungen. Das erste Mal dies. Das letzte Mal das. Es kommt nicht zurück.

Aber wir werden neu.

Dies ist nicht das Letzte.

Dies ist nicht das Ende.

 

Unterm Morast schon ein Wachsen.

Unter den Tränen schon Lachen.

In den kahlen Bäumen, in den leeren Händen unsichtbar schon, was kommt.

Du musst nicht bleiben, die du bist.

Weil auch Jesus nicht im Grab blieb.

Alles neu macht der Herr.

Sieh doch.

Hinter dieser Welt schon der Himmel.

 

Amen.

Lied (gesungen oder angehört oder vorgelesen): Gott spricht uns zu sein schönstes Wort

(Liederbuch freiTöne Nr. 108)

 

Gott spricht uns zu sein schönstes Wort: In ihm kommt er uns entgegen und ruft einen jeden bei seinem Namen, wartet voll Sehnsucht auf unser „Ja“.

Gott spricht uns zu sein tiefstes Wort: Es ist bis heut nicht verklungen, hat leise und sanft das Schweigen gebrochen, mit seinem Klang die Nacht erfüllt.

Gott spricht uns zu sein letztes Wort, schenkt uns in ihm die Erlösung. Er lässt seinen Stern am Himmel erstrahlen: Er soll uns führen durch die Nacht.

Gott hat in seinem eignen Sohn sich in die Welt gegeben. Wer ihn bei sich aufnimmt und ihn zur Welt bringt, wird neu geboren, der wird Mensch.

 

Text (nach einem Zitat von Karl Rahner) und Musik: Barbara Kolberg 2006 © Carus-Verlag, Stuttgart

„Etwas tun“

Wenn du dich in den nächsten Tagen daran erinnern musst, dass das hier nicht das Ende ist, dann schau das Foto an.

Du kannst es auch jemandem schicken und zum Beispiel einen Satz aus diesem Gottesdienst dazu schreiben, der dir etwas bedeutet.

 

Oder du postest es auf Instragram, Facebook, Twitter… mit so einem Satz und dem #Ewigkeitssonntag

Lied (gesungen oder angehört oder vorgelesen): Herr, mach uns stark im Mut, der dich bekennt

(Evangelisches Gesangbuch 154, 1-5)

 

Herr, mach uns stark, im Mut, der dich bekennt, dass unser Licht vor allen Menschen brennt! Lass uns dich schaun im ewigen Advent! Halleluja, Halleluja!

 

Tief liegt des Todes Schatten auf der Welt. Aber dein Glanz die Finsternis erhellt. Dein Lebenshauch bewegt das Totenfeld. Halleluja, Halleluja!

 

Welch ein Geheimnis wird an uns geschehn! Leid und Geschrei und Schmerz muss dann vergehn, wenn wir von Angesicht dich werden sehn. Halleluja, Halleluja!

 

Aber noch tragen wir der Erde Kleid. Uns hält gefangen Irrtum, Schuld und Leid; doch deine Treue hat uns schon befreit. Hallelujah, Halleluja!

 

So mach uns stark im Mut, der dich bekennt, dass unser Licht vor allen Menschen brennt! Lass uns dich schaun im ewigen Advent! Halleluja, Halleluja!

 

Text: Anna Martina Gottschick 1972 nach “For all the saints” von William Walsham How 1864. Melodie: Ralph Vaughan Williams 1906

Fürbitte und Vaterunser

Guter Gott, du bist groß. An deinem Herzen ist viel Platz. Alle haben wir Raum bei dir. Dafür danken wir dir sehr!

 

Darum bitten wir dich auch: (mit Worten von Lothar Zenetti)

Behüte, Herr, die wir ich dir anbefehle, die mir verbunden sind und mir verwandt. Erhalte sie gesund an Leib und Seele und führe sie mit deiner guten Hand.

Sie alle, dir mir ihr Vertrauen schenken und dir mir so viel Gutes schon getan. In Liebe will ich dankbar an sie denken, o Herr, nimm dich in Güte ihrer an.

Um manchen Menschen mache ich mir Sorgen und möcht´ ihm helfen, doch ich kann es nicht.

Ich wünschte nur, er wär bei dir geborgen und fände aus dem Dunkel in dein Licht.

Du ließest mir so viele schon begegnen, so lang ich lebe, seit ich denken kann.

Ich bitte dich, du wollest alle segnen, sei mir und ihnen immer zugetan.

 

Stille.

 

Ich halte dir auch die Menschen und Beziehungen hin, die mir nicht gutgetan haben, die nicht gut für mich sind. Befreie mich davon. Lass sie deine Sorge sein.

 

Befreie mich von dem, was mich ängstigt, was mich schmerzt. Ich halte es dir hin.

 

Ich halte dir diese Welt hin. Unser Leben jetzt. Bitte: sei da.

Sei uns nahe, Gott, wenn wir mit den Worten Jesu zu dir beten:

 

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld. Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern

erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Abschluss

Vielleicht ist es jetzt richtig, die Kerze auszublasen. Vielleicht lässt du sie noch brennen.

 

Es segne dich Gott, zu allem mächtig und barmherzig.

Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Amen.

Lied (gesungen oder angehört oder vorgelesen): Gloria, sei dir gesungen

Im Frieden unseres GottesMach mit deinem Handy ein Foto vom Himmel, wie er jetzt ist.

(Evangelisches Gesangbuch 147, 3)

 

Gloria sei dir gesungen mit Menschen- und mit Engelzungen, mit Harfen und mit Zimbeln schön. Von zwölf Perlen sind die Tore an deiner Stadt; wir stehn ihm Chore der Engel hoch um deinen Thron. Kein Aug hat je gespürt, kein Ohr hat mehr gehört solche Freude. Des jauchzen wir und singen dir das Halleluja für und für.

 

Text und Melodie: Philipp Nicolai 1599

Quelle

Birgit Mattausch / Marianne Gorka

Arbeitsstelle für Gottesdienst und Kirchenmusik

 

Michaeliskloster Hildesheim